Hollywood vs GZSZ - Eine Meinung zum Thema Filmlook

April 9, 2017

Hollywood vs. GZSZ - Eine Meinung zum Filmlook

 

Das Internet ist voll davon: Fragen über Fragen, was denn nun den typischen „Filmlook“ ausmacht und wie man diesen als ambitionierter Hobbyfilmer selbst hinbekommt. Ebenfalls voll ist das Internet auch mit vielen YouTube-Tutorials, die mal mehr oder weniger ausführlich beschreiben, wie man denn möglichst schnell und einfach einen „Filmlook“ generiert. Selbst die Smartphone-Industrie wirbt neuerdings damit, per Klick, bzw. Display-Wisch einen hollywoodreifen Film(schnipsel) zu generieren und seine Freunde damit zu beeindrucken. Tiefenschärfe, Filter drüber, fertig ist neue Blockbuster... so in etwa...oder nicht? 

 

Was ist Filmlook und wie bekommt man ihn selbst hin?

 

Oftmals ist die Frage nach dem Filmlook-Geheimnis an eine weitere Frage geknüpft: Welche Kamera benötigt man, um denn nun diesen coolen Look, wie wir ihn insbesondere von der Übersee-Filmindustrie und aus diversen Musikvideos kennen, hinzukriegen?

 

Eines möchte ich sehr gerne vorweg nehmen: Dies wird kein langer, ausführlicher Artikel und auch kein Filmlook-Tutorial. Vielmehr ist es ein persönliches Statement, welches aber vielleicht dennoch der/dem einen oder anderen hilfreich sein könnte.

 

Um nun diese eine Frage zu beantworten, muss man sie am Besten erst einmal selbst hinterfragen. Was meine ich mit Filmlook? Was meine ich damit, was genau gefällt mir daran so sehr (oder auch nicht) und wo liegen die Unterschiede im Vergleich zur deutschen Produktionsweise, deren Look nicht selten oft mit GZSZ verglichen wird. Bei uns in Deutschland sähe alles „so echt“ aus, gar nicht wie Kino. Filmlook ist heutzutage ein Begriff, der gleichermaßen und fast auch nur noch für Videoproduktionen angewendet wird. Es wird immer weniger auf Film gedreht. Stattdessen halten auch in der Filmindustrie die Digitalformate Einzug. Vielmehr beschreibt der Begriff die jeweilige Bildcharakteristik eines Films. Im Folgenden möchte ich gerne auf einige der vielen Punkte eingehen, welche den Look beeinflussen.

 

Der Filmlook hat in erster Linie zunächst nichts mit der Wahl der Kamera zu tun. Vielmehr geht es darum, die Funktionsweisen der Kameras zu verstehen, denn der Filmlook entsteht bereits beim Drehen und nicht ausschließlich in der Postproduktion im Schnitt durch das hinzufügen eines schicken Instagram-Filters. So kommen hier sehr viele Faktoren und Stilmittel zusammen. Man kann auch schon mit günstigen DSLR-Kameras oder Camcordern (und ja, sogar mit einigen Smartphones) einen sehr ansehnlichen Filmlook hinkriegen. Voraussetzung hierfür ist nur, dass man Einfluss auf die verschiedenen Parameter der Kamera hat und diese auch zu bedienen weiß. Im Folgenden mal nur eine Hand voll Einstellungsmöglichkeiten, die wesentlich zum sogenannten Kinolook beitragen und die immer wieder gerne verwendet werden.

 

Tiefenschärfe: Durch eine hohe Tiefenschärfe lässt sich der Blick des Betrachters steuern. Nur der Vorder- oder Hintergrund ist scharf, manchmal sind auch nur wenige Zentimeter im Schärfebereich. Mit einer langen Brennweite wird dieser Effekt noch verstärkt und der Bildhintergrund stark „gepresst“. Je offener die Blende, desto größer ist der Tiefenschärfe-Effekt.

 

Framing / Cadrage: Die Auswahl des Bildausschnitts. In amerikanischen Filmen sind es oft extrem nahe Einstellungen. Man ist meist sehr nah an den Personen dran, also dichter, als wir es aus Deutschen Produktionen kennen.

 

Verschlusszeit / Shutter Speed: Je kürzer die Verschlusszeit, desto geringer die Bewegungsunschärfe. Dieser Effekt wird sehr oft bei Actionszenen verwendet (300, Der Soldat James Ryan, Crank). Ebenfalls findet diese Einstellung sehr oft Verwendung in Musikvideos. Ein Nachteil einer hohen Verschlusszeit ist, dass natürlich weniger Licht auf den Sensor gelangt. So wird hierfür ein sehr lichtstarkes Objektiv benötigt und demnach auch mehr Licht.

 

Sättigung / Kontrast / Luminanz: Hier sind wir schon in der Postproduktion. Kinofilme sind meist extrem kontrastreich und entsättigt. Das schwarz ist schwärzer und das weiß ist weißer als es in unserer natürlichen Umgebung vorkommt. Dies kann man in der Postproduktion u.a. mit dem verschieben der Luminanzwerte erreichen. Die Luminanz ist eine fotometrische Größe, die als Maß für die Helligkeit von Bildpunkten verwendet wird. In Werbespots und auch in Musikvideos hingegen ist vermehrt zu beobachten, dass das Bild entsättigt wurde und sehr kontrastarm ist, manchmal wird über das Bild sogar noch ein zusätzlicher Weißfilter gelegt, so entsteht ein beinahe „milchiger“ Look (Otto Modekampagne – Küken, Was jeder denkt).

 

Colorgrading: Das Colorgrading ist ein wichtiger Bestandteil des finalen Filmlooks. Wenn man Kinofilme genau beobachtet, ist immer eine deutliche Farbgebung zu erkennen. Die Farbgebung soll meist die natürlich Umgebung unterstreichen hat auch wesentlichen Einfluss auf die Grundstimmung des Films und somit auch auf den Zuschauer. (Wärme=gelb-bräunlich, Kälte= Bläulich). Mit natürlich vorkommender Farbgebung hat dieser Look am Ende meist nicht mehr viel zu tun. Es sieht aber sehr ansprechend aus und hat auch einen Wiedererkennungswert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm ZURAG. (© Toby Wulff Filmproduktion, 2010)

Lange Brennweite, sehr dicht am Protagonisten, deutlich entsättigt, starke Kontraste, grünstichiger Look.

 

 

Im Folgenden einige weitere Beispiele:

 

US-Serie CSI Miami (gelb), warme Stimmung.

US-Serie CSI New York (blau-grün): kühle Stimmung

 

Es gab einige sogenannte Crossover-Episoden der verschiedenen CSI-Serien, bei denen die Ermittlungsteams beider Serien zusammengearbeitet haben. Zunächst waren die Spielorte noch getrennt in Miami und New York. Ganz deutlich auch an der Farbgebung zu erkennen. Im Laufe des Films näherten sich beide Teams an und das wurde dann auch in der Farbgestaltung deutlich.

 

Matrix 1: Blau und Grün

Matrix 2 & 3: Grün

Keinohrhasen & Zweiohrküken: Rot-Bräunlich

Bourne: Je nach Spielort blau oder braun

 

Dass wir diesen klassischen Filmlook bisher meist nur aus amerikanischen Serien und Filmen kennen hat nicht in etwa damit etwas zu tun, dass die deutsche TV-Welt das nicht hinkriegt, sondern vielmehr mit Entscheidungen der Geldgeber, Sender und anderer Entscheider. Dass Filme und Serien bei uns bisher so aussehen, wie sie aussehen, hat also nichts mit Können oder Nichtkönnen zu tun.

 

Dennoch sind in den letzten Jahren deutsche Filme aufgetaucht, die zeigen, dass es sehr wohl geht: Stylisches Popkornkino aus Deutschland. Michael Bully Herbig (Der Schuh des Manitu, Traumschiff Surprise) und Til Schweiger (Keinohrhasen, Schutzengel, Tschiller) waren hier aus meiner Sicht die Vorreiter. Ob man die Filme nun mag oder nicht, ist eine andere Frage, sie haben aber gezeigt, dass es geht.

 

Mit der nach und nach stattfindenden Umstellung auf TV on Demand (Netflix, Amazon Prime) entstehen auch immer mehr Produktionen die beweisen, dass sich deutsche Produktionen optisch keinesfalls verstecken müssen und nun auch Serien produziert werden, welche international zumindest visuell locker mithalten können (You are Wanted, Amazon Prime).

 

 

 

 

 

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