Ein Blick hinter die Kulissen des Musikvideodrehs von Déborah Rosenkranz ONE PRAYER

December 20, 2017

 

 

Ein großartiges und produktionsreiches Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Es war ein sehr spannendes Jahr in dem ich vielen tollen Menschen begegnen durfte. 2017 war insbesondere ein Jahr der Musikvideos: In den letzten Monaten durfte ich diverse Musikvideos produzieren, von denen aktuell gleich drei auf den Bühnen der internationalen Festivalwelt im Rennen sind.

 

Ein wirklich ganz besonderes Projekt waren die Dreharbeiten zum neuen Musikvideo One Prayer (Regie: Toby Wulff) von Déborah Rosenkranz. One Prayer (Release 8. Dezember 2017) ist nach Glow das zweite Musikvideo, dass ich für die großartige Déborah Rosenkranz produzieren durfte. Gedreht haben wir an einem sehr kalten Novembertag in der ehemaligen Lungenheilstätte Grabowsee, 30 Kilometer nördlich von Berlin.

 

Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz war sie die erste Heilstätte für Lungentuberkulose in Norddeutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von 1945 bis 1995 als sowjetisches Lazarett genutzt. Heute gleicht das schaurig schöne Gelände einer Geisterstadt. Die Natur erobert sich nach und nach ihr Territorium zurück. Pflanzen ranken sich durch die offenen Fenster und schlagen sogar im Gebäude Ihre Wurzeln. Eine Kulisse, wie man sie nur aus einem Endzeit-Film kennt. Das rund 34 Hektar große Areal liegt weit abgelegen im Wald und ufert im Süden und Westen in den Grabowsee. Mythen ranken sich um diesen Ort, sogar selbsternannte Geisterjäger sind hin und wieder auf dem Gelände und in den Gebäuden unterwegs, stets auf der Suche nach Beweisen für paranormale Ereignisse. Die Existenz dieser eindrucksvollen Kulisse hat sich sogar bis nach Hollywood herumgesprochen: 2013 diente sie als Drehort für George Clooneys Monuments Men.

 

Warum aber ausgerechnet diese Location für Déborahs neuestes Video One Prayer?

 

One Prayer ist Déborahs persönliches Lied über ihre Kämpfe mit Essstörungen in ihren Teenagerjahren. Es ist allen gewidmet, die mit diesem Problem konfrontiert sind - ein Ausruf, dass es für alle einen Ausweg gibt. Es beschreibt den Weg aus einer düsteren und scheinbar ausweglosen Situation ohne Hoffnung und ohne Kraft und wie Déborah damals ein Gebet verhalf, dieser Situation zu entkommen. Welche Location eignet sich also besser für diese Geschichte als die ehemalige Lungenheilstätte Grabowsee?

 

 

So habe ich damals den Kontakt mit Bernhard Hanke von der Geländeverwaltung aufgenommen und schon schnell war ein Termin zur ersten Besichtigung vereinbart. Zusammen mit meinem Kollegen habe ich mich also auf den Weg gemacht. Das Gelände war nicht leicht zu finden. Es gibt keine Adresse und keine Hausnummer, die man hätte ins Navi eingeben können. Höchstens die GPS-Koordinaten würden hier weiterhelfen. Letztendlich haben wir das Gelände und unseren Ansprechpartner Bernhard Hanke vor Ort gefunden. Herr Hanke drückte uns einen Lageplan des umzäunten Geländes in die Hand und wir sollten uns einfach mal umschauen. Schon der Lageplan ließ vermuten, dass es sich hier um ein sehr großes unübersichtliches Gelände handelt. Auf die Location aufmerksam wurde ich bei meiner Recherche im Internet. Ich bin auf ein Bild des zerfallenen Konzertsaals gestoßen und so hatte ich es eigentlich nur auf diesen einen Saal abgesehen. Doch als wir unsere ersten Schritte im ersten Gebäude gemacht haben, war sehr schnell klar, dass es hier noch weitaus mehr zu entdecken gibt. Sofort stand für mich fest: Wir müssen hier drehen!

 

Gar nicht so einfach, denn das Gelände liegt sehr abgelegen. Keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Gastronomie, keine sanitären Anlagen, kein fließend Wasser und in keinem der vielen Gebäude gibt es Licht. Natürlich bringen wir für den Dreh unser eigenes Licht mit, doch der Dreh sollte im November stattfinden, hier wird es bereits gegen 15.30 Uhr zappenduster. D.h. wir brauchen in allen genutzten Räumen zusätzliches Arbeitslicht. Nicht zu vegessen: die nicht vorhandenen Fenster und die damit eindringende Kälte. Eines gab es immerhin: Einen Starkstromanschluss.

 

Somit stand ich vor einem großen Berg Fragen und einer riesigen Herausforderung. Doch Herausforderungen sind bekanntlich dazu da, gemeistert zu werden und mit der Unterstützung eines großartigen Teams hat alles wunderbar geklappt. Vielen Dank an dieser Stelle allen Beteiligten: Die großartige Hair & MakeUp-Stylistin Birgit "Bi" Düvelmeyer für ihren großartigen Job und auch die mitgebrachten Wärmflaschen, Florian Sailer für den technischen und konzeptionellen Support und Benny Jablonski für das gemeinsame Location-Scouting, die große Hilfe am Set, die tollen Setfotos und die Kaffeemaschine.

 

A pro pos: Die Kaffeemaschine hat noch vor Inbetriebnahme aus unerklärlichen Gründen den Geist aufgegeben. Vielleicht sollten die Geisterjäger doch nochmal vorbeischauen, bei der ehemaligen Lungenheilstätte Grabowsee, vielleicht haben die da etwas übersehen...

 

Hier nun erstmal einige Setfotos. Zum Vergrößern einfach anklicken.

(Setfotos: Benny Jablonski, Daniel Platisa)